Vogtland Challenge: Rückkehr zu den Wurzeln, über Wurzeln

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Am vergangenen Samstag habe ich an der Vogtland-Challenge teilgenommen. Was bei dem Cross-Triathlon gut lief und was sehr zäh lest ihr in diesem Beitrag

In meiner thüringer Heimat gab es vor einigen Jahren einen großartigen Crosstriathlon mit direkter Rennsteig-Nähe. Nach meiner ersten Teilnahme vor 13 Jahren als Läufer einer Staffel stand für mich fest, dass ich die drei Diszipline im Folgejahr komplett selbst mache. In den folgenden zwei Jahren habe ich das umgesetzt, allerdings noch nicht in dem dafür erforderlichen sportlichen Zustand. Mich plagten in beiden Jahren Krämpfe am ersten Anstieg der Laufstrecke. Kein Wunder, wenn es vorher einen Abschnitt zu bezwingen gilt, der „ungeheurer Grund“ heißt. Der Ehrgeiz packte mich. Mehr Training und sportlicher Fokus folgten. In kommenden Ausgaben kam ich krampffrei und zügig über die Strecke. Es wurde mein jährliches Highlight.

Schwimmen konnte ich ja noch nie sonderlich gut und der Laufsport rückte in den Jahren danach in den Vordergrund. Crosstriathlons gab es nur noch sporadisch für mich. Leider gibt es dieses Event in meiner Heimat nicht mehr. Den letzten Crosstriathlon habe ich 2014 im Himalaya absolviert. Und dennoch würde ich behaupten, dass Crosstriathlons aus mir den leidenschaftlichen Sportler gemacht haben, der ich heute bin.

Ein Triathlon nach #schwimmsteiger

Wie schon ausführlich bebloggt, habe ich mich in der ersten Hälfte des Jahres dem Schwimmen gewidmet. Mit der „neuen“ Fähigkeit ausgestattet, habe ich auch nach geeigneten Wettkämpfen mit Wasseranteil geschaut. Und ich bin mal wieder in Thüringen fündig geworden. Die Vogtland Challenge in Zeulenroda liegt zwar nicht direkt in meiner Heimat, allerdings sind Berge und Terrain vergleichbar, so dass Anne und ich uns entschieden dort teilzunehmen.

Wir nutzten die Gelegenheit auch gleich, um das neue Wohnmobil meiner Eltern auszuprobieren. So fuhren wir zu einem chilligen Wochenendtrip ins thüringisch-bayrisch-sächsische Dreiländereck. Ich habe mich für die Classic-Distanz aus 1.000 Meter Schwimmen, 17,5 Kilometer Mountainbike und 6,4 Kilometer Traillauf entschieden. Um es vorweg zu nehmen: mit klassischen Triathlon-Distanzen ist das nicht vergleichbar. Auf der Radstrecke sind 422 Höhenmeter Anstieg zu bewältigen, beim Lauf sind es 168. Nur das Wasser war flach.

Schwimmen: Erst Gekloppe, dann schlechte Sicht und doch eine gute Zeit

Aber darüber konnte ich zu Beginn noch nicht nachdenken, da der anstehende Schwimmkilometer mich spürbar nervös machte. Bei #schwimmsteiger habe ich mich auf 400 Meter fokussiert, meine längste Wettkampfdistanz bisher lag bei 700 Meter, geschwommen beim Swim and Run in Bochum. Tausend Meter im Freiwasser erschien mir als ganz schönes Brett, zumal ich nach #schwimmsteiger nicht jede Woche im Wasser trainiert habe.

Teams und Einzelstarter zusammen machten über 50 Teilnehmer aus. So kam es, dass es gerade auf den ersten Metern ein ganz schönes Gekloppe wurde. Ich fand relativ schnell einen guten Rhytmus, ohne zu überpacen. Ich konnte gut gleiten und schwimmte vergleichsweise armlastig. Die Beine brauchte ich ja noch. Das Wasser im Zeulenrodaer Meer, einem Stausee, war sehr trüb. Ich orientierte mich eine ganze Weile an den Füßen eines Athletens vor mir und blieb hinter ihm.

Irgendwann verlor ich ihn aus den Augen. Da meine Schwimmbrille mittlerweile beschlagen war, fiel es mir schwer die Orientierungs-Bojen zu erkennen. Zwischendurch musste ich daher immer mal ein paar Sekunden auf Brustschwimmen wechseln, um mich zu orientieren. Auf der Aufzeichnung, ist der daraus resultierende Zickzackkurs zu erkennen. Unterm Strich absolvierte ich die Tausend Meter in 19:56 Minuten. Unter Zwanzig Minuten zu bleiben, war mein Ziel. Das war die zwölftbeste Schwimmzeit von 33. Männern. Nicht mehr wie früher, als ich meist unter den letzten aus dem Wasser kam.

Mountainbike: Wurzeln sind unkomfortabel

Bei früheren Crosstriathlon-Teilnahmen zeigte sich, dass ich, dank meiner bergigen Heimat, ein passabler Mountainbiker bin. Mit den Spezialisten konnte ich zwar nie mithalten, aber zur besseren Hälfte gehörte ich meistens.

Der Wechsel aufs Rad lief sehr rasch. Und schon war ich am ersten langgezogenen Anstieg. Meine persönliche Grundregel ist es, mich nicht vom Adrenalin verleiten zu lassen und die ersten ein bis zwei Kilometer in niedrigem Gang und reduziertem Tempo reinzukommen und einen Rhytmus aufzubauen. In dieser Phase dachte ich noch, dass es normal ist, dass ich überholt werde und ich mit der Länge der Distanz wieder Boden gutmache.

Nicht nur von den anderen Athleten sondern auch von der Realität wurde ich dann allerdings eingeholt. Ich habe kaum überholt und habe selbst einige Plätze verloren. Bergaufwärts, und noch viel drastischer bergabwärts. Ich ging vergleichsweise wenig Risiko und meine geringe Fahrpraxis wurde mein Verhängnis. Bei wurzelreichen Abfahrten dosierte ich mein Tempo stärker als viele andere. Ich will nicht sagen, dass ich Angst hatte, allerdings fühlte ich mich auf der schlammigen Strecke auch nicht komfortabel. Erst gegen Ende der Strecke, als bei den anderen Ermüdung einsetzte, konnte ich zumindest an den Anstiegen mit den Kontrahenten um mich herum mithalten.

Auf den letzten Kilometern sparte ich noch ein paar Körner für die Laufstrecke. Meine Hoffnung war, dass ich sie dort wesentlich effizienter einsetzen könnte. Insgesamt war es nur die 21.-schnellste Zeit unter den 33 Männern. Ziemlich hart, wenn man bedenkt, dass die Radstrecke ungefähr die Hälfte der Wettkampfzeit ausmacht.

Traillauf: Das beste zum Schluss

Das ermutigende nach der ernüchternden Radrunde war das Wissen, dass meine Paradedisziplin noch kommt. Der Wechsel aufs laufen ist ein tolles Gefühl. Jetzt kann ich mich nicht mehr verschlucken und auch nicht mehr stürzen. Das wirkt befreiend: Dieses elementare Zusammenspiel zwischen Boden und mir. Und so schlüpfte ich in die Trailschuhe und packte den ersten Berg an. Dabei wurde ich von Anne angefeuert, die mittlerweile im Ziel war und in ihrer Distanz sogar Alterklassendritte geworden ist.

Und es kam so wie ich es erhoffte. Ich hatte noch genügend Energie und kassierte einen nach dem anderen. Ich erkannte die Triathlonanzüge von einigen wieder, die auf den Abfahrten an mir vorbei gebrettert sind. Ich wurde nicht einmal überholt und überholte ungefähr ein Dutzend, wobei ich nicht unterscheiden konnte, wer Einzelstarter und wer Teamstarter war. Es gab drei Runden mit knackigen Anstiegen. So wusste ich in der Zweiten, was noch auf mich zukommt.

Am Ende waren es 30:08 Minuten und damit die viertschnellste Laufzeit. Sehr versöhnlich nach der zähen Radrunde.

Fazit: Es gibt ja auch noch Swim&Runs

Am Ende war es der 14. Platz von 33 bei einer Zeit von 1:53:37. Endlich falle ich als Schwimmer nicht mehr negativ auf und verlasse das Wasser im Mittelfeld. Aber die Radzeit haut halt rein. Alle Athleten vor mir und die 5 Athleten direkt hinter mir waren minimum vier Minuten schneller auf der Radrunde als ich. Der nächste Ansatzpunkt, um besser zu werden ist damit klar identifiziert. Leider wohne ich nicht mehr so nah an attraktiven Bergen. Ob ich dieses Thema intensiv angehe werde, oder es akzeptiere, wird die Zeit zeigen. Es gibt ja auch noch Swim and Runs 😉

Abschließend muss ich das großartige Flair loben. Der Wettkampf wurde mit viel ehrenamtlicher Energie bewerkstelligt. Insgesamt waren 7 Vereine und 2 Feuerwehren an der Organisation beteiligt. Im Gegensatz zu professionell organisierten Massenveranstaltungen ist es spürbar, wenn die Helfer aus eigenem Antrieb und ohne große Incentivierung einen solchen Wettkampf mit Leidenschaft auf die Beine stellen. Es herrschte eine tolle, nahezu familiäre, Atmosphäre, die zum Wiederkommen einlädt. Ob erfahrener Crosstriathlet oder Neueinsteiger – ich kann euch diesen Wettkampf nur wärmstens empfehlen.

Vogtland Challenge Crosstriathlon 2017

Wettbewerb Vogtland Challenge
Datum: 22.07.2017
Distanz: 1.000 m Schwimmen
17,5 km Mountainbile
6,4 km Traillauf
Zeit: Schwimmen: 19:56
Wechsel 1: 2:33
Mountainbike: 59:11
Wechsel 2: 1:49
Laufen: 30:08
Gesamt: 1:53:37
Platzierung: 14. von 33
Platzierung AK: 7. von 12
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