Laufanalyse mit molibso: Die Platte nicht nur für Plattfüße

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Vor lauter #Schwimmsteiger lag mein Fokus in den letzten Wochen etwas weniger auf den Innovationen für den Laufsport. Seit meinem ISPO-Besuch im Februar habe ich allerdings noch ein absolutes Highlight in meiner persönlichen Zwischenablage, welches auf Veröffentlichung wartete. Ich durfte exklusiv die molibso dyneos RUN Druckmessplatte ausprobieren. Dabei handelt es sich um eine Druckmesssensorik aus der Medizin und Orthopädie, die Fit für den Einzelhandel gemacht wurde. Ziel ist es ein emotionalisiertes Verkaufserlebnis zu erzeugen, bei dem personlisierte Daten aus Mensch, Produkt und Bewegung die Beratung beim Laufschuhkauf bereichern.

Schon im letzten Jahr bin ich auf molibso aufmerksam geworden, als Thomas vom Running-Podcast bei molibso zu Gast war. Bisher habe ich mich vor allem mit smarten Einlegesohlen auseinander gesetzt. Umso gespannter war ich auf den Ansatz, eine detailliertere Messung außerhalb des Schuhs auf der Platte mit dem Namen dyneos RUN durchzuführen.

Dabei handelt es sich allerdings nicht um ein Produkt für Endkunden. Die Platte wird an Sportgeschäfte vermarktet. Eingewiesene Mitarbeiter können damit eine hochgradig individuelle Beratung durchführen und dabei helfen den richtigen Laufschuh zu identifizieren.

Am Messestand von molibso wurden wir von Julien empfangen. Er zeigte uns das System und ich war erstaunt, wie kompakt die Messeinheit ist.Letztendlich besteht sie aus einer Platte, einer Kamera mit Halterung und einem Bedienpult. Beim Betrachten der Platte wird auf den ersten Blick nicht offensichtlich, dass es sich hierbei um ein Hightech-Produkt handelt.

Barfuß Gehen: Mich tragen zwei Normalfüße

Zunächst wird mein Fuß vermessen. Dabei wurde deutlich wurde, dass ich einen vergleichsweise breiten Fuß habe. Anschließend ging es erst mal ohne Schuhe über die Platte. Beim Betrachten der Bilder wird das Prinzip deutlich. Bei der Auswertung wird das kapazitive gemessene Bild neben das Video gelegt.

Zum Einen wird dabei die Druckverteilung über ein farbliches Bild visualisiert. Zum Anderen resultiert aus dem sich beim Abrollen verlagernden Lastmittelpunkt der Auftrittsfläche eine charakteristische Linie. Diese Linie verläuft beim barfußlaufenden Normalfuß meistens mittig von der Ferse bis zur Großzehe. Ein leichter Zacken im Fersenbereich verdeutlich den Aufsetzpunkt vom anderen Fuß, bei dem von einer Einbein-Position auf eine Zweibein-Position verlagert wird.

Bei mir wird offensichtlich, dass zwischen linken und rechtem Fuß ein leichter Unterschied herrscht. Die stärkere Wölbung beim linken Fuß deutet auf einen etwas stärkere Supination hin. Deutlich wird auch, dass ich mit dem linken Fuß eine höhere Bodenkontaktzeit habe. Diese leichte Tendenz kommt bei mir auch während eines Laufs zur Geltung, sagt zumindest meine Laufuhr.

Die Farben visualisieren die Druckverteilung. Bei mir gibt es keine ungewöhnlich hohen Lastspitzen und alle Zehen sind im im Einsatz. Daraus lässt sich schließen, dass ich über zwei Normalfüße verfüge.

In Laufschuhen: Achillessehne besser ausnutzen

Interessant wird’s wenn Laufschuhe ins Spiel kommen. Ich habe meine Adidas Adizero Boston getragen sowie die New Balance Vazee Pace ausprobiert. Physikalisch betrachtet ist es eine Aufgabe des Schuhs die Schwerpunktlinie zu verlagern bzw. zu halten.

Der Schuh wirkt als Filter in dem durch die Materialeigenschaften Dämpfung und Stabilität erzeugt werden kann. Eine Beeinflussung der Funktion des Fußes über Materialien (auch Pronationsschutz genannt“) ist bei diversen Modellen (vgl. Stabilitätsschuhe) gewollt.

Klar wird, dass ich durch meinen Laufstil nur Schuhe wählen sollte, die mir im Ergebnis einen neutralen Laufstil erhalten. Das können Neutralschuhe sein, aber auch Minimalschuhe die sich vergleichse wenig auswirken. O-Ton von Julien: „Du kannst jeden Schuh laufen, der dich nicht durch Verstärkungelemente nach innen oder außen verändert.“ Diese können natürlich stärker oder weniger stark gedämpft sein. Vorteilhaft ist für mich außerdem, wenn meine Schuhe im vorderen Bereich breit sind.

Entwicklungspotenziale sieht Julien in meiner Achillessehneneinbindung. Dass Druckmessbild verdeutlicht, dass meine Ferse keinen Kontakt zum Boden hat, also dass ich sehr vorfußlastig laufe. Dabei nutze ich die natürliche Federung der Sehne vergleichsweise wenig aus. Die passive Spannung der Achillessehne wirkt wie ein Gummiband und kann somit Energie speichern.

Eine Umstellung auf Mittelfußlauf kann meine Wadenmuskulatur weiter entlasten. Der nahende Krampf beim Rennsteiglauf gibt Julien recht. Ob ich das wage, weiß ich noch nicht. Den Vorfußlauf habe bei meiner Sprint-Challenge herausgebildet und er hat mich auch auf längeren Distanzen schneller gemacht.

Alles in allem war es eine sehr spannende Lehrstunde. Ich habe mich bisher wenig mit Biomechanik auseinander gesetzt und mich auf die oberflächlichen Erläuterungen der Laufschuhhersteller und einiger Händler verlassen. Ich bin überzeugt davon, dass die molibso-Technologie nicht nur eine großartige Gelegenheit ist um in Kombination mit kompetenter Beratung den perfekt Laufschuh zu finden, sondern eben auch die Lauftechnik individuell zu perfektionieren.

Auf der Seite von molibso sind ein paar Läden aufgelistet, falls ihr das ganze selber mal ausprobieren wollt. Es gibt Möglichkeiten in Wuppertal, Krefeld, Hamburg, Osnabrück, im Allgäu, Puchheim, Solothurn, Luxemburg, Davos und St. Anton. Wenn euch dieser Beitrag neugierig gemacht hat, dann hört euch Episode 55 vom Running-Podcast an oder schaut mal auf der molibso-Webseite vorbei. Juliens Facebook Profil findet ihr hier.

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