ISPO 2017 Highlights: Smarte Sohlen Tune sind mein Favorit

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Tune von Kinematix gehört zu meinen absoluten ISPO 2017 Highlights. Seit einem halben Jahr teste ich die smarten Sohlen für meine Laufschuhe. Was mich daran begeistert und welche Möglichkeiten ich in diesem Trend sehe erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Schon bei meinem ISPO-Besuch im Vorjahr war der Trend zur smarten und konnektiven Einlegesohle für Sportschuhe offensichtlich. Das portugiesische StartUp Kinematix hat es mir dabei besonders angetan. In den vergangenen Monaten konnte ich ich deren Produkt Tune ausführlich testen. Auch für meinen Messe-Besuch am kommenden Sonntag zählt dies zu meinen absoluten ISPO 2017 Highlights.

Mit wenigen Handbewegungen sind die Laufschuhe smart

Im Lieferumfang befinden sich zwei Packungen. Eine beinhaltet die Sohlen und eine die Sensoren. Um den Aufwand bei der Verwendung mehrerer Schuhe zu sparen können Sohlen einzeln nachgekauft werden, so dass nur die Sensoren gewechselt werden müssen. Zusätzlich gibt es ein Ladegerät und ein Handbuch.

ISPO 2017 Highlights Tune Packungen ISPO 2017 Highlights Tune Lieferumfang

Das Upgraden der Laufschuhe erfolgt relativ unkompliziert. Die Sohlen werden in die Sportschuhe unter die vorhandene Einlegesohle gelegt. Es ist darauf zu achten, dass die hintere Kante der Sohlen hinten am Innenschuh anliegt. Die Schnittstelle für den Sensor wird an die Außenseite des Schaftes geklemmt. Durch einen flexible Kabelführung sind lässt sich die Passform an unterschiedliche Schafthöhen anpassen.

ISPO 2017 Highlights einlegen von TUNE ISPO 2017 Highlights Tune am Schaft befestigen

Die Sensoren rasten durch eine Drehbewegung in die Sohlen ein.

ISPO 2017 Highlights Tune Sensoren eindrehen ISPO 2017 Highlights Tune integriert

ISPO 2017 Highlights: Vier Sensoren unter jedem Fuß

Um loslegen zu können muss die Tune App auf dem Smartphone installiert werden. Die Kopplung mit den beiden Sensoren erfolgt innerhalb der App via Bluetooth. Innerhalb der App gibt es einen Funktionscheck. Aus diesem wird auch der Aufbau der smarten Sohlen offensichtlich. Jede Sohle besteht aus vier Drucksensoren. Einer unter der großen Zehe, je einer links und rechts unter dem Ballen und einer im Fersenbereich. Beim Funktionscheck leuchten die Kontrolllampen je nach Gewichtsverlagerung auf.

ISPO 2017 Highlights Tune Funktionscheck

Eine Intensität der Belastung wird nicht angezeigt, nur ob der Sensor belastet ist oder nicht. Die App ist englischsprachig. Das Starten eines Laufs erfolgt relativ unkompliziert. Es erfolgt ein kurzer Countdown und dann geht es los.

Kein Komfortverlust beim Laufen

Beim Laufen haben Sohlen und Sensor keine negativen Auswirkungen auf den Laufkomfort. Das Smartphone muss zur Datenaufzeichnung verbunden bleiben und mitgeführt werden. Das ist etwas schade, da ich es bei Wettkämpfen, wo ich mich vom Tempo her am Limit bewege, meistens nicht dabei habe.

ISPO 2017 Highlights Tune beim Laufen rot ISPO 2017 Highlights Tune beim Laufen weiß

Während des Laufs können keine über die Sohle erfassten Daten eingesehen werden. Die Live-Ansicht in der App beschränkt sich auf Zeit, Strecke und Geschwindigkeit. Daher unterscheidet sie sich während der Einheit nicht großartig von anderen Lauf-Apps. Die Einbindung der Herzfrequenz fehlt allerdings.
ISPO 2017 Highlights Tune App beim Laufen

Eine Stimme fasst die Leistung auf jedem Kilometer zusammen. Auch hier wird nicht auf die Technik eingegangen.

ISPO 2017 Highlights: Spannende Auswertungen

Das Spannende folgt nach dem Training. Es ist die Ausgabe verschiedener Statistiken, die bisher nur in professionellen Analysen möglich war. Dabei geht es um die Analyse des Schrittzyklusses. Es wird die durchschnittliche Dauer eines Schrittzyklusses angezeigt. Darüber hinaus wird für jeden Fuß die durchschnittliche Dauer der Stand- und der Schwungphase prozentual ausgewertet. Das ist relevant für die Effizienz des Laufstils. Kurze Kontaktphasen entsprechen einem effizienteren Laufstil. Absolut betrachtet sind die Werte weniger aussagekräftig. Vergleichend mit anderen Einheiten sind dann jedoch Aussagen zulässig.

Außerdem wird die Bodenkontaktzeit beider Füße getrennt ausgegeben. Davon wiederum wird die prozentuale Einbindung der Ferse angezeigt. Außerdem wird die prozentuale Anzahl der Schritte erfasst, bei denen die Ferse als erstes Kontakt mit dem Boden aufnimmt. Auch hier ist ein hoher Wert ein Zeichen für Ineffizienz.

ISPO 2017 Highlights Tune Schrittzyklus ISPO 2017 Highlights Tune App2

Des Weiteren gibt es einen optischen Indikator zur Performance der Abdruckphase, welcher sich über die Dauer des Fersenhubs berechnet. Leider ist dieser nicht ganz nachvollziehbar dargestellt und beinhaltet nur eine Cockpit-Darstellung. Ergänzt wird das Ganze um die Gesamtzahl der Schritte, die Schrittfrequenz und die durchschnittliche Schrittlänge.

Im Detail können die Läufe noch in Bezug auf einzelne Kilometersegmente ausgewertet werden. Neben den absoluten Werten sind vor allem die Aussagen zur Gleichmäßigkeit beider Füße spannend. Sind die Bodenkontaktzeiten ähnlich? Verhalten sich Schwung- und Standphase gleich? Fehlstellungen können so identifiziert und durch bewusstes Gegensteuern korrigiert werden.

Die Analysen können mit den getragenen Schuhen verknüpft werden, um zu sehen, wie sich unterschiedliche Dämpfungen auf die Laufschuhe auswirken.

Fittnessprogramm in der App

Um den Laufapparat zu stärken, sind Fitnessübungen in die App integriert. Videosequenzen visualisieren die Abläufe. Dabei gibt es verschiedene Trainingsprogramme, die aufeinander aufbauen. Diese Funktionalität wird leider nicht mit den Sensoren kombiniert und läuft autark.
 

Riesiges Potenzial

Aktuell fokussiert sich TUNE auf die Ausgabe von Daten, die durch die smarten Sohlen ermittelt werden. Noch nicht alles, was mit diesem Wearable denkbar ist, wird momentan umgesetzt. Was das junge Unternehmen aus Porto macht ist nachvollziehbar: Sich auf wenige Features zu konzentrieren und diese überzeugend umzusetzen, statt alles zu überladen und halbgare Funktionen zu bieten.

In erster Generation ist es ein Tool, mit Eignung für Läufer, die schon über Basiswissen zur Lauftechnik verfügen. Mit den Statistiken nach dem Lauf kann ein Fazit gezogen werden. Schlussfolgerungen müssen derzeit selbst getroffen werden. Die Erfolge beim gezielten Arbeiten an der Lauftechnik werden mit den smarten Sohlen messbar quantifiziert.

Das Potenzial von Tune ist in meinen Augen riesig. Tune gehört auch deswegen zu meinen ISPO 2017 Highlights, weil ich auf der Messe die Gelegenheit haben werde, mich mit dem Team über die Vision zu unterhalten. Ich werde eine kleine Wunschliste mit Features vorbereiten und bei den Machern platzieren. Den daraus resultierenden Beitrag werde ich an dieser Stelle verlinken.

Meine Wunschliste enthält unter anderem Live-Feedback, welches auf Basis von lauftechnikspezifischen Zielwerten einen Hinweis gibt, woran man vermehrt arbeiten sollte. Super wäre die Integration von Lauf-ABC und alternativen Laufstilen, deren Korrektheit durch die Sensoren überwacht werden könnte.

Mein größtes Wunschfeature ist eine Schuhempfehlung. Eine Datenbank, die weiß, wie meine Druckverteilung mit spezifischen Schuhen ist, weiß auch, welche Schuhe noch zu mir passen würden. Ganz nebenbei wäre die Provision beim Laufschuhkauf auch noch ein super Finanzierungsmodell, um den Preis für smarte Sohlen niedrig zu halten.

Kommenden Sonntag werde ich Erfahren, wie die Stoßrichtung bei der Weiterentwicklung eines meiner absoluten ISPO 2017 Highlights ist.

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