Leistungsdiagnostik: Ich wollte sein, wie der BVB und landete auf Schalke

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Zu Tag 1 meines Trainingsplans für den Düsseldorf-Marathon gab es einen elementaren Baustein: Eine Leistungsdiagnostik. Mir ging es dabei um die Identifikation meiner Trainingsbereiche und sinnvoller Trainingsschwerpunkte. Aber auch eine erste Abschätzung zu realistischen Zielzeiten ist für mich interessant.

Ich habe mich für eine Spiroergometrie entschieden. Schon im Sommer wurde ich darauf aufmerksam, als ich las, dass die BVB-Profis auf diese Art und Weise ihre Leistungsdiagnostik durchführten. So professionell wie die BVB-Profis wollte ich mich schließlich auch mal auf eine Saison vorbereiten.

Die Spiroergometire gilt als genauestes Verfahren zur Leistungsdiagnostik. Hierbei werden Atemgase in Abhängigkeit zur Herzfrequenz ausgewertet. Insbesondere wird die Menge und der Sauerstoffanteil in der ausgeatmeten Luft gemessen. Ergänzend dazu wurden auch meine Laktatwerte genommen.

Das Ganze fand statt bei Medicos auf Schalke. Matthias aka RunHerne hat dort gute Erfahrungen gemacht und mir diese Einrichtung direkt neben der Schalker Arena empfohlen. Um es vorwegzunehmen, ich habe auf sämtliche schwarz-gelbe Kleidungsstücke verzichtet, um das Pieksen bei der Laktatmessung so schmerzfrei wie möglich zu halten.

10 Stufen bis zur totalen Erschöpfung

Begonnen hat das Ganze mit einem Ruhe-EKG sowie einem Gespräch mit Dr. Middel, dem ärztlichen Leiter der Leistungsdiagnostik. Wir stellten fest, dass ich erst mal grundlegend gesund und fit genug für einen solchen Test bin. Mein Ruhepuls (47) war niedrig und mein Gewicht zwei bis drei Kilo höher als gewöhnlich, was auf das Krattraining in der Winterpause zurückzuführen ist.

Ich berichtete von absolvierten Wettkämpfen und Zielen. Auch Dr. Middel fand meinen Selbstversuch in 100 Tagen zum 400m-Läufer zu werden spannend. Es ärgert mich mittlerweile etwas, dass ich nicht vor #400in100 schon einen solchen Test durchgeführt habe, um einen A-B-Vergleich durchzuführen. Dennoch war ich gespannt, ob in der Auswertung noch Spuren meiner 100-tägigen Sprinterfahrung zu finden sind.

Anschließend ging es zur Verkabelung. EKG, Atemmaske, ein paar Monitore und ein Laufband warteten auf mich. Zu Beginn gab es eine Atemanalyse im ausgeruhtem Zustand. Dr. Middel schätzte ab, dass ich eine Steigerung bis 18 km/h schaffen sollte. Frau Liening-Ewert konfigurierte die Apparatur auf 3-minütige Intervalle, abgestuft um 1,5 km/h, beginnend bei 6km/h. Zwischen jedem Intervall gab es eine Blutentnahme für die Laktatmessung und ab und an eine Blutdruckmessung.

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Die erste Stufe absolvierte ich gehend, bei 7,5 km/h wechselte ich in den Laufschritt. Bei 15 km/h fing es an, dezent anstrengend zu werden. Ab 16,5 begann der Kampf, 3 Minuten auf 18 waren dann eine Qual. Eine weitere Steigerung begann ich noch, nach 1 Minute war Schluss. Ich habe mir sagen lassen, dass die Schalker Profis nicht soweit gehen. Fairerweise muss ergänzt, dass das bei Profifußballern auch nicht zielführend ist.

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Meine maximale Sauerstoffumwandlung beträgt 4,24 l/min. Daraus resultierte ein VO2max von 57ml/min pro Kilogramm Körpergewicht, was laut Diagnostikerin einen exzellenten Wert darstellt. Das Fitnessstudio-bedingte Übergewicht wird sich während der Marathonvorbereitung reduzieren, so dass dieser Wert weiter steigt.

Ausgezeichnete Fitnesswerte: Überbleibsel aus #400in100?

Meine maximale Herzfrequenz beträgt 189 Schläge pro Minute. Die individuelle anaerobe Schwelle liegt bei 178. Diese Werte helfen mir um meine Trainingsbereiche festzulegen: Ich habe sie schon in der Pulsuhr hinterlegt.

Ich habe eine maximale Laktatkonzentration von 10,87 mmol/l erzielt. Das entspricht einer ausgesprochen hohen Laktattoleranz. Ich kann also intensive Belastungen vergleichsweise lange ertragen.

Ein weiteres Ergebnis ist, dass mein Fettstoffwechsel im GA1 etwas geringer ist als gewöhnlich. Daher geht mein Körper früher an Kohlenhydratreserven. Das Fettstoffwechselvermögen soll ich durch lange Läufe im GA1-Bereich steigern. Glücklicherweise habe ich so etwas schon in meinem Trainingsplan berücksichtigt.

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Beide Effekte, die hohe Laktattoleranz und der geringe Fettstoffwechsel, können Nachwirkungen von meinem intensiven 400m-Training sein. Um es genau zu sagen, fehlt der A-B-Vergleich.

Diese Marathonzeit unterschreib‘ ich

Interessant sind die Prognosen zu den Zielzeiten. Mir wurde erläutert, dass in meinem Fall ein Marathon bei 95% meiner individuellen anaeroben Schwelle realistisch ist. Das würde einer Marathonzeit von 2:50 entsprechen und ist über 25 Minuten unter meiner aktuellen Bestzeit.

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Ich bin da allerdings etwas zurückhaltend. Ich werde noch mal die Literatur wälzen und basierend auf der Leistungsdiagnose eine gute und realistische Zielzeit identifizieren. Auch meine Vorbereitungswettkämpfe werden mir helfen das Ziel zu präzisieren.

Bisher habe ich eine Zeit unter 3 Stunden nicht ins Auge gefasst. Aber eins ist auch klar: Ich werde nicht jünger und so oft wird es wahrscheinlich auch nicht die Gelegenheit geben, mal unter 3 Stunden zu rennen. Ich halte Euch auf dem Laufenden, was das angeht.

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7 Gedanken zu „Leistungsdiagnostik: Ich wollte sein, wie der BVB und landete auf Schalke

  1. Hi Andreas, spannender Bericht! Ich fand es interessant zu lesen, welche Zusatzinfos und Auswertungen Du bekommen hast, die über die hinaus gehen, die ich bei meiner Spiroergometrie erhalten habe. Bis zu einer Ausbelastung kam es bei mir nicht, daher kenne ich meinen Maximalpuls nicht wirklich. Auch die Einschätzung, dass Du im GA1-Bereich früh an Deine KH-Reserven gehen musst, ist doch eine super Info aus dem Termin. Weichen die Pulsbereiche denn sehr von denen ab, mit denen Du bisher gearbeitet hast?

    Herzliche Grüße

    Thomas

    1. Hallo Thomas,

      Danke für dein Feedback. Ich war positiv beeindruckt. Ich habe in den letzten Jahren nicht so häufig nach Puls trainiert. Ich habe allerdings in meiner Anfangszeit als Läufer schon mal einen Laktattest durchgeführt. Das war vor 7 Jahren. Die anaerobe Schwelle lag damals 1 Schlag unter der heutigen. Ich bin mir nicht mehr sicher, aber ich glaube, das war keine iANS, sondern eine die sich auf einen Laktatwert von 4,0 bezieht. Bei 4,0 ist mein Puls dieses mal 2 Schläge unter der damaligen anaeroben Schwelle gewesen.

      Es ist also alles noch sehr ähnlich. Aber jetzt weiß ich wieder, dass die Werte so passen und werde den Puls bei jeder Einheit berücksichtigen.

  2. Hi Andreas,
    schöner Bericht über einen vermutlich auch aufregenden Tag „Auf Schalke“! 😉
    Es freut mich zu hören, dass du nicht nur vom Ergebnis auf Medicos begeistert warst.
    Das „Problem“ mit der zu früh einsetzenden KH Verbrennung hatte ich auch. Nach der Empfehlung von Frau Liening-Ewert habe ich dann im Training fast nur noch lange Läufe in GA1 gemacht, um das etwas zu verbessern.
    Deine Werte sind übrigens spitze!!!
    VG, Matthias (#trrcrw)

    1. Hallo Matthias, das war ein echt guter Tipp. Hast du danach eigentlich noch mal eine Spiro gemacht und geschaut, wie sich die Fettverbrennung auf Basis des Gesprächs verändert hat.

      Für mich ist noch eine Frage offen: Wenn ich eine ausgeprägte Kohlenhydratverbrennung habe, kann ich die dann nicht einfach beibehalten und Kohlenhydrate in Form von Gels kontinuierlich beim Marathon nachführen?

  3. Klingt so, als ob es sich gelohnt hätte. Danke für deine geteilten Erfahrungen! Wie viel hat das Ganze denn in diesem Fall gekostet?

    Der VO2max gibt auf jeden Fall einen 2:50er-Marathon her, aber auch eine sub37 über 10 Kilometer und etwa eine 17:50 über 5 Kilometer. An der 5er-Zeit dürftest du ja dran sein, oder? Dann ist es nur eine Frage der langen Läufe und co, das auch auf der Marathondistanz umzusetzen 😉

    Zu den Kohlenhydraten: Ich glaube, so viele Kohlenhydrate möchtest du wirklich nicht zu dir nehmen. Ich bezweifle, dass du während des Laufens so viel futtern kannst, wie du verbrauchst.

    1. 150 €, welche die Krankenkasse übernimmt.

      Solche Zeiten würde ich alle unterschreiben. Auch die 18 auf 5 habe ich noch nicht geknackt. Könnte eigentlich ein gutes Ziel für dieses Jahr sein 😉 Aber erst mal Marathon.

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