#10nach400: Hassliebe 10km beim Dresden-Marathon

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Beim Dresden Marathon wollte ich endliche meine 7 Jahre alte Bestzeit über 10 Kilometer knacken. Ob es mir gelungen ist und warum ich mich trotz der AK 30 wohl nicht Routinier nennen darf erfahrt ihr in diesem Wettkampfbericht.

In meinem Projekt #400in100 habe ich mich innerhalb von 100 Tagen vom Marathonläufer zum 400m-Sprinter entwickelt. Die Zeit danach wollte ich nutzen um zu beweisen, dass mich die hohe Trainingsintensität und der Technikfokus auch auf längeren Distanzen profitieren lassen.

Wie gut, dass es da noch eine Distanz gab, mit der ich eine offene Rechnung hatte. 2008 beim Hattersheimer Winterlauf, also vor siebeneinhalb Jahren, lief ich 38:57 über 10 Kilometer. Damals war ich noch nicht so fit, und wusste auch nicht, dass die Zeit ganz gut ist. In den Jahren darauf, ich nahm an unzähligen Wettkämpfen teil, biss ich mir die Zähne an dieser Zeit aus. Ich lief zwar ab und an unter 40:00, aber die 39 Minuten knackte ich nie. Und mein Verhältnis zum Zehner wurde zu einer Art Hassliebe.

Beides zusammen, also das Ziel nach #400in100 eine gesteigerte Performance auf längeren Strecken zu beweisen und die offene Rechnung mit der 10-Kilometerdistanz begründeten die Aktion #10nach400 und das Ziel die alte 10er Bestzeit beim Dresden Marathon 2016 zu schaffen.

Durchwachsene Vorbereitung

Der Besuch der sächsischen Landeshauptstadt und die Teilnahme an einer der drei Distanzen beim Dresden-Marathon mit Annes ganzer Familie ist mittlerweile zur Tradition geworden. Es waren 7 Wochen Zeit zur Vorbereitung nach dem 400-Meterlauf. Zwei Wochen gingen allerdings für Urlaub drauf, bei dem wir uns durchaus fit gehalten haben. Etwas mehr als eine Woche legte mich eine Magen-Darm-Erkrankung flach.

In der Zeit, die mir zum Trainieren blieb fokussierte ich mich auf ein umfassendes Krafttraining und lief maximal zwei mal pro Woche. Einmal in Form eines Tempodauerlaufs und wenn ich noch einen zweiten Lauf durchführte, waren es 1.000-Meter-Intervalle. Also nicht wirklich viel laufen, aber ich genoss vor allem wieder Zeit für Muskelaufbautraining zu haben.

Gut ins Rennen gekommen und Tempo gefunden

So ganz rund lief die Vorbereitung für Dresden also nicht und ein bisschen angeschlagen fühlte ich mich nach einer langen Arbeitswoche auch, als ich Samstag Abend in Elbflorenz ankam. Einmal noch schlafen und wir standen bei 6°C am Sonntag Morgen an der Startlinie.

39 Minuten zu schlagen bedeutet im Schnitt schneller als 3:54 zu laufen. Erfahrungsgemäß ist das, auf Grund der Menge an Läufern, bei einem so beliebten Lauf wie dem Dresden-Marathon zu Beginn sehr schwierig. Erfreulicherweise starteten die unterschiedlichen Distanzen dieses Jahr allerdings zu unterschiedlichen Zeiten, so dass man sich die breiten Straßen in der Dresdner Altstadt nur mit den rund 2.000 anderen 10-KM-Läufern teilte.

Schon beim ersten Kilometer traf ich mit 3:54 den gewünschten Schnitt exakt. Obwohl das so gut begann, überpacete ich den zweiten deutlich mit 3:40. Beim Versuch gegenzusteuern absolvierte ich den dritten Kilometer 3 Sekunden langsamer bei 3:58. Beim vierten war es wieder eine exakte 3:54.

Ziel gecancelt wegen Lahmarsch-Kilometer

Ich verstand nicht wie es dazu kam, aber beim 5. Kilometer verfehlte ich meinen Zielschnitt deutlich mit 4:11. Nach der halben Strecke zeigte mir meine Uhr eine 19:36 an. Also 6 Sekunden zu langsam um bei genau 39 zu landen. Und dann würden ja noch immer 3 Sekunden zur Bestzeit fehlen.

Bei der darauf folgenden Passage über die Waldschlösschenbrücke mit ihrer Steigung begann das Rennen beschwerlich zu werden. Auf Grund der klaren Verfehlung und der einsetzenden Ermüdung entschied ich mich, das Ziel Bestzeit zu verwerfen und eine Zeit unter 40 ins Ziel zu retten. Das Thema Strategiewechsel und eine frühzeitige Zielkorrektur habe ich ja schon beim Berlin-Marathon 2014 durchgemacht. Und es hat mir zu einem zufriedenstellenden Finish verholfen.

So ging auch der 6. Kilometer in mäßigen 4:05 vorüber. Ich stellte schon Hochrechnungen an, wie viele Sekunden ich pro Kilometer auf die 4:00 verlieren darf um noch unter 40 ins Ziel zu kommen.

Bei Kilometer 7 habe ich mich wieder gefangen, es gab eine 3:55. Diese wiederholte ich auf Kilometer 8. Rückblickend betrachtet, hätte ein Halten dieses Tempos bis zum Ziel einer soliden 39:22 entsprochen. Meine unter Sauerstoffarmut durchgeführten Hochrechnungen während des Rennens platzierten mich wesentlich näher an die 40:00, so dass ich mich genötigt sah, auf keinen Fall nachzulassen.

Klar genug im Kopf um das Ziel wieder zu aktivieren

Gefühlt hielt ich mein Tempo, quälte mich aber schon etwas. Und dann geschah etwas Bizarres. Ich passierte Kilometer 9 und meine Uhr zeigte eine 3:37. So richtig glauben konnte ich es nicht, und so schnell fühlte es sich auch nicht an. Ich hatte also noch 3:51 Minuten bis zur 39:00.

Ich war zwar nicht mehr ganz klar im Kopf, aber klar genug, um zu kapieren worum es jetzt ging. Alles raushauen! Es wurde immer voller an der Strecke, das pushte mich und die letzten Meter in Dresden kenne ich mittlerweile in- und auswendig. Viele Kämpfe habe ich hier mit mir selbst schon ausgefochten.

Ich habe den zehnten Kilometer gleichmäßig durchgezogen und wurde beim Erblicken der Uhr auf der Zielgeraden noch mal von einer dezenten Panik, mein Ziel nur knapp zu verfehlen, angespornt. Letztendlich ging der zehnte Kilometer in 3:42 über die Bühne was einer Gesamtzeit von 38:51 entsprach. Abzüglich der Sekunden bis ich die Startlinie überquerte, war es sogar eine 3:47.

Dresden Marathon

Bestzeit: Check!

Im Ziel brauchte ich erst mal eine Weile um zu realisieren, dass die 39 gefallen ist. Dass das Damoklesschwert dieser 7 Jahre alten Laufzeit endlich verpufft ist. Und dass ich die Bestzeitenliste meines Blogs wieder aktualisieren darf.

Auf das Ergebnis bin ich stolz, aber der Weg dorthin war schon skurril. Auch wenn ich bei mehreren Kilometern das Tempo fast genau getroffen habe, war die Varianz in den Kilometerzeiten enorm.

Ärgerlich, wenn der erste Kilometer perfekt passt, den zweiten so zu überziehen. Jetzt lauf ich schon in der AK30 und die Abgeklärtheit eines Routiniers habe ich scheinbar immer noch nicht. Das muss ich einfach üben. Wenigstens habe ich noch etwas jugendlichen Biss.

Manchmal frage ich mich ob ich das ungleichmäßige Tempo brauche. Ob ich für so eine schnelle Zeit eh über der aeroben Schwelle laufen muss und dann die kurze Auszeit zwischendurch einfach dazu gehört. Vielleicht bin ich so trotzdem schneller, als wenn ich versuche unter der Schwelle zu bleiben.

Unterm Strich war’s dann ein 59. Platz in der Herrenwertung und ein 10. Platz in der Altersklasse. Das gab’s beim Dresden-Marathon noch nie für mich. Und dann verbleibt da noch das Gefühl, dass noch mehr drin ist, wenn ich in der Vorbereitung nicht ausfalle und ich mich nicht leicht angeschlagen fühle. Da spreche ich noch nicht vom Faktor (Un-)Gleichmäßigkeit, dessen Einfluss ich noch nicht beschreiben kann.

Es war zwar keine wissenschaftliche Studie und es gibt auch keine Vergleichsgruppe mit meiner Laufbiographie. Aber gefühlt ist #400in100 ein wesentlicher Baustein, der mich auf solch einer Distanz wieder bestzeitfähig gemacht hat. Ich war ja im Frühjahr schon nicht so weit weg. Aber die Lauftechnik sitzt mittlerweile richtig gut und sehr zäh bin ich auch. Und irgendwo muss diese Leistung mit der geringen direkten Vorbereitung ja herkommen.

Da liegen noch andere Bestzeiten in der Luft

Während des Laufs gelang es mir sehr gut, alles um mich herum auszublenden und im Tunnelblick die anderen Läufer nur peripher wahrzunehmen. Aber nach dem Rennen setzen sich dann alle Puzzelteile, die sich am Start getrennt haben, zusammen.

Annes Familie, die vollständig teilgenommen hat, fand sich mit großartigen Leistungen im Zielbereich ein. Vor allem Anne selbst, die wesentlich angeschlagener als ich ins Rennen gegangen ist und mit der eigenen Maßgabe es ruhig angehen zu lassen gelaufen ist, brachte eine 50:47 scheinbar locker ins Ziel. An einem gesunden Tag mit ausreichend Vorbereitung und Ernsthaftigkeit riecht das nach Bestzeit.

Also, wenn bei mir als Neu-Ü30-Läufer dann doch irgendwann mal die Stagnation einsetzt, werde ich auf jeden Fall noch die ein oder andere persönliche Bestleistung erleben. So viel ist gewiss.

Fact Box: Dresden-Marathon 2015

Wettbewerb Dresden Marathon
Datum: 18.10.2015
Distanz: 10 km
Zeit: 0:38:47
Platzierung: 64. von 2153
Platzierung AK: 10. von 137
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2 Gedanken zu „#10nach400: Hassliebe 10km beim Dresden-Marathon

  1. Glückwunsch zur Bestzeit! Nach so lange Zeit, in der Tat die 39 scheinbar zu einer richtigen Hürde geworden ist, ist das WIE einer solchen Bestzeit völlig egal. Darum kannst du dich beim nächsten Versuch kümmern, wenn es dann noch etwas schneller sein darf! Dass da noch mehr geht, dürfte ja offensichtlich sein 😉

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