Mein erster Bahn-Wettkampf: Knall, Schmerz und Ziel

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Vergangenen Mittwoch habe ich zum ersten mal außerhalb irgendwelcher Schulveranstaltungen an einem Bahnwettkampf teilgenommen. 

Was ich vorher esse, war genau festgelegt. Auch wie ich mich erwärme hat mir Christian Borggräfe ins Buch geschrieben. Die Lage des Körperschwerpunkts beim Tiefstart wurde geübt. Mit kleinen Schritten Tempo aufbauen und dann alles raushauen. Ja und die Schmerzen auf den letzten 30, 40 Metern? Einfach ignorieren! Klingt simpel, klingt machbar und doch hatte ich eine Menge Respekt.

Ich konnte leider niemanden motivieren, mich bei Temperaturen um die 30°C zum Jahnstadion in Kamen zu begleiten. Nach meiner Ankunft blieb noch Zeit mich umzuschauen, was die Athleten auf den anderen Distanzen so vollbringen.

Dort sah niemand so aus, als ob er das noch nie gemacht hat. Vor allem die Läufer die sich warm machten, beeindruckten mich. Ich kannte so gut wie alle Übungen des Lauf-ABCs, die ich da sah. Nur sahen die dort so rund, so perfekt aus. Kein stolpern, kein Abbrechen und Neubeginnen, weil man aus dem Tritt gekommen ist.

So langsam muss ich auch mit der Erwärmung beginnen. Es ist für mich schon irgendwie seltsam, wenn das Warm-Up 60 Mal länger dauert als der Wettkampf. Irgendwie war es mir unangenehm mich zwischen den anderen Sportlern warm zu machen. „Die sehen doch sofort, dass ich da nicht hingehöre. Es ist doch vollkommen ausreichend, wenn sie es erst merken, wenn mein Startschuss ertönt ist.“ waren meine Gedanken.

Und so drehte ich hinter einer Hecke auf einem benachbarten Fußballplatz meine ersten Runden. Begann dort auch die Koordinationsübungen und wagte mich dann doch wieder auf das Wettkampffeld um hier selbstbewusst noch ein paar Sprungläufe und Intervalle hinzulegen.

Halb Acht sollte es eigentlich losgehen, ich war warm und am 200m-Start. Aber irgendwie war da noch nichts. Die Veranstaltung hing 30 Minuten hinterher. Wieder etwas Zeit die anderen Athleten zu beobachen. Den gewöhnlichen Freizeitsportler, den man beim Halbmarathon antrifft, gibt es hier nicht. Meine Stichprobenartigen Befragungen ergaben eher solche Profile: 16 Jahre alt, seit dem dem 7. Lebensjahr in der Leichtathletik oder 22 Jahre alt, schon 10 Jahre dabei. Es gab aber auch solche Athleten: 53 Jahre alt, schon immer Leichtathlet. Einen wie mich, im besten Alter (so ungefähr) aber plump in seinen Bewegungen konnte ich beim besten Willen nicht entdecken.

So langsam begann ich zu grübeln, was realistisch für mich sein könnte. Gegen die jüngeren habe ich keine Chance. Und die Ü50er? Kann die jahrelange Erfahrung in der Leichtathletik die abbauende Physis ausgleichen. Oder gelingt es mir wenigstens einen hinter mir zu lassen.

Die lange Wartezeit überbrückte ich noch mal mit kurzen Antritten und einem Intervall. Endlich eine Ansage: Ich bin in Lauf 7 von 9. Gemeinsam mit zwei 16 jährigen. Und ich durfte die Innenbahn benutzen. Da der 200m-Start in einer Kurve stattfindet, startet man auf der Innenbahn etwas weiter hinten und hat die Konkurrenten vor sich. Vielleicht kann ich mich ja doch an den einen der jugendlichen heften.

Und dann war es endlich so weit. Ein Startblock-Test und dann hieß es schon „Auf die Plätze“. Es ging auf einmal alles so schnell. Und eh ich mich versah kam ein Knall. In der Hektik habe ich dann wohl doch nicht ganz die kleinen Schritte zum Speed aufbauen gemacht. Und als die Kurve vorüber war, war der Abstand auf meine beiden Kontrahenten nicht kleiner geworden. Und logischerweise wurde auf der Geraden immer größer.

Und plötzlich war ich schon auf den letzten 40 Metern. Und die Schmerzen kamen zuverlässig. Noch mal durchbeißen, so tun, als ob sie nicht da sind und auf einmal war alles vorbei. 26,50 Sekunden – darf ich jetzt als 200m-Bestzeit in die Liste eintragen. Es waren auch drei der Älteren hinter mir.

Es war irgendwie surreal. Es blieb beim Lauf keine Zeit, um darüber nachzudenken, ob ich alles richtig mache. Keine Chance zu optimieren. Knall, Schmerz und Ziel. Und trotzdem bin ich stolz, dass ich mich in diese neue Herausforderung gewagt habe. Ich brauch Automatismen, um Ende August die 400 Meter zu rocken. Und das war ein weiterer Schritt dafür.

Leider habe ich nur ein Vorher-/Nachherbild. Dazwischen ging alles viel zu schnell.

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Fact Box: Bahnabend Kamen

Wettbewerb Bahnabend Kamen
Datum: 01.07.2015
Distanz: 200 m
Zeit: 26,50 s
Platzierung: 10. von 13
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5 Gedanken zu „Mein erster Bahn-Wettkampf: Knall, Schmerz und Ziel

  1. Die unsichere Vorbereitung und die Gedanken beim Vergleich mit den restlichen Athleten, bei denen das so geübt, so professionell aussieht, kann ich nur allzu gut verstehen. Aber mach dir keine Hoffnungen, das wird auch weiterhin so bleiben 😉

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