Sächsische Premiere beim Thüringer Rennsteiglauf

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Hier schreibt Laufsteigerin Anne über den Rennsteiglauf Halbmarathon mit dem Laufsteiger.

Es ist 04:50 und die Sonne will gerade aufgehen. Jetzt ist es also endlich soweit. Heute werde ich mein Debüt beim Rennsteiglauf in Form des Halbmarathons geben.

Rennsteiglauf 2015 Anne

 

Halbmarathons bin ich schon gelaufen – bis heute Morgen sogar schon drei Mal – auch wenn es nicht meine Lieblingsdisziplin ist. Ich weiß also, auf welche Distanz ich mich eingelassen habe. Das Profil des Rennsteiglauf Halbmarathons hingegen mit seinen 290 Höhenmetern und insgesamt über 700m Höhendifferenz ist mir bis zu diesem Morgen sehr suspekt. Ich meine, ich laufe gerne cross und beiße mich an steilen Anstiegen fest, um dann mit einer guten Abwärtslauftechnik noch mehr Gas zu geben. Ich liebe es, durch unwegsames Terrain zu laufen, über Wurzeln zu springen und durch Matsch zu hüpfen. Diesen Spaß habe ich allerdings noch nie auf der HM-Distanz hingelegt. Ich habe also ordentlich Bammel. Aber genau aus diesem Grund habe ich mich ja zielgerichtet auf diesen Wettkampf vorbereitet – physisch zumindest, psychisch bin ich noch nicht soweit.

Ich fühle mich gut heute Morgen – keine Müdigkeit, keine Schmerzen. Ich stehe also hochmotiviert auf und treffe die Kleiderwahl. Es ist überraschend warm und mittlerweile sonnig an diesem Samstag Morgen. Ich wähle also bunte Shorts und das lange Shirt vom Oberelbemarathon aus meiner Heimat Dresden. Die pinken Kompressionssocken sind sowieso gesetzt. Spannend wird es jetzt an den Füßen, denn heute habe nicht nur ich ein Debüt, sondern auch meine neuen Asics / Haglöfs Trailrunning Schuhe – in pink natürlich. Mein Weihnachtsgeschenk von Andreas, der weiß, wie er mich auf den Rennsteig bekommt.

Wir kommen pünktlich und sehr komfortabel mit Andreas’ Eltern-Taxi gegen halb 7 in Oberhof an. Es strömen schon unzählige Läufer in Richtung der Startblöcke und wir strömen mit. Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig, unser Gepäck in den letzten Gepäckwagen zu geben. Dann geht es zu den Starblöcken. Da wir aufgrund fehlender Vorjahreszeiten beim Rennsteiglauf in Block 6 starten müssen, haben wir noch etwas Zeit bis zum finalen Startschuss. Hier ist der Start für 07:45 geplant. Kurz vor 07:30 wird allen Läufern nochmal durch den Moderator eingeheizt. Ich höre etwas von “Wo sind die 2.500 Sachsen?” Ich brülle mit. Anschließend wird das Rennsteiglied geträllert. Andreas singt neben mir freudestrahlend und heiß auf den Lauf mit. Ich kann nur summen und schunkeln. Auf diesen Text wurde ich nie vorbereitet.

07:45 – Startschuss – Ich laufe betont kontrolliert und ruhig los und lasse mich nicht zum Überpacen hinreißen. Mein Leuchtturm ist die Schmücke bei KM 12. Bis dorthin geht es überwiegend bergauf und ich sollte 06:00 min pro KM laufen. Danach geht es überwiegend bergab und ich sollte 05:15 min pro KM laufen, um mit etwas über 02:00:00 ins Ziel zu kommen.

Auf den ersten Kilometern sehe ich überhaupt kein Kilometerschild. Es sind einfach zu viele Menschen und ich bin viel zu aufgeregt, um irgendetwas zu erkennen. Bei KM 3 habe ich schon den ersten Anstieg hinter mir und fühle mich nach einem kurzen Seitenstechen sehr fit und gut.

Ab KM 6 fängt es an, echt hart zu werden. Der zweite große Anstieg ist noch im Gange und ich wünschte mir, ich hätte mich für einen knackigen 10er entschieden. Bei KM 8 sehe ich auch wieder ein Kilometerschild und stelle fest, dass ich ca. 5 Minuten über der Zeit liege. Das ist aber ok. Ich kann am Ende immer noch Gas geben. Die Anstiege sind für mich echt hart, ich merke es jetzt schon in den Waden und Oberschenkeln. Ich versuche weiterhin, so gut es geht Leute zu überholen, ohne unnötige Kräfte mobilisieren zu müssen, was sich bereits als sehr schwierig auf den Hohlwegen herausgestellt hat. Ich kann allerdings halbwegs gut an den Seiten vorbeilaufen und mache mich mit einem kurzen “links” oder “rechts” bemerkbar. Das funktioniert gut, denke ich mir. Kurz vor der Schmücke wird es allerdings arg eng und steil. Einige Leute gehen jetzt – das muss nun wirklich nicht sein. Also versuche ich, mich dazwischen durchzuquetschen oder wieder am Rand vorbeizulaufen. Dafür muss ich allerdings auf eine Böschung – und zack ich verspüre den ersten Wadenkrampf anmarschieren. Ohnein. Das darf nicht passieren. Noch fast 10 KM! Ich lasse das also ab sofort mit der Böschung und laufe lieber etwas ruhiger weiter.

KM 12 bis KM 16 ziehen sich wirklich. Ich fange jetzt an, Lieder zu summen, die mir durch den Kopf gehen. Das lenkt etwas ab. Bei KM 15 kann ich wieder ein PowerGel nehmen – was für eine Abwechslung, darauf habe ich mich die letzten 5 KM gefreut! Toll, jetzt kann es weitergehen. Jetzt muss ich wirklich Gas geben, sonst wird das nichts mit einer Zeit um die 2 Stunden. Länger als 02:10.00 will ich nun wirklich nicht auf dem Rennsteig verbringen. Also setze ich bereits ab KM 16 gemächlich zum Endspurt an. Es geht erstaunlich gut, etwas Geschwindigkeit draufzulegen. Ist aber zäh. KM 17 kommt gerade. Die Kilomererzeit ist mit unter 05:30 gut, hat sich aber viel länger angefühlt. Jetzt also noch etwa 4 KM. das ist ja nicht viel. Dann kann ich jetzt wieder Gas geben. KM 18 – jetzt gebe ich alles. KM 19 – ich kann kaum noch, ich setze nur noch ein Bein vor das Andere und versuche dabei zu atmen. Die Pace ist mit ca. 5 min gut, das muss ich halten. Meine Waden zwicken jetzt bei jedem Schritt. Ich versuche also, den Krampf rauszulaufen und stelle dabei fest, dass sich ein Oberschenkelkrampf andeutet. Das ist jetzt echt Mist, den kann man nämlich nicht rauslaufen. Das mit dem Krämpfe rauslaufen habe ich beim Strongmanrun 2014 am Nürburgring bereits gut geübt. Ich muss mich also auf meine Lauftechnik konzentrieren. Jetzt bloß keinen großen Krampf bekommen, 2 KM mit Krämpfen sind echt viel!

Ich sehe KM 20 nicht – die haben das Schild ausgelassen! Nach einer Weile komme ich am Schild “KM 20” vorbei. Kilometer 20 kommt doch noch, die haben es natürlich nicht ausgelassen. Jetzt wird es aber langsam wirklich brenzlig. Noch über einen Kilometer und meine Beine sind schon ganz fest von den Krämpfen, ich schaffe es kaum die letzten Anstiege hoch. Meine Beine sind einfach alle – es ist nichts mehr drin an Energie, jeder Schritt schmerzt und kostet jetzt richtig viel Kraft. Ich will aber noch knapp über 2 Stunden bleiben – also muss ich jetzt alles raushauen, nur noch wenige hundert Meter! Ich sehe aber kein Ziel – es ist nichts in Sicht und ich laufe auf dem puren Zahnfleisch. Die Pace ist immer noch richtig gut für die letzten Kilometer. Ich bekomme jetzt langsam Krämpfe in den Füßen, das ist wirklich bitter, aber auch gut, denn dann merke ich die Fußschmerzen nicht mehr, denke ich mir. Klasse.

Ich komme um die letzte Kurve und sehe es – das ZIEL – es sind nur noch ca. 200m bis zum Ziel in Schmiedefeld. Ich gebe den wirklich allerletzten Endspurt und sprinte nochmal so richtig los! Am Zieleinlauf höre ich Andreas meinen Namen rufen. Ich schaue nach rechts und sehe ihn am Zaun ganz stolz klatschen. Toll, das gibt Kraft, wenngleich ich keine Miene mehr verziehen kann. 50m vor dem Ziel erschlagen mich die Krämpfe und ich humple die letzten Meter ins Ziel und unterdrücke die Tränen. Ich bin im Ziel – ich habe es geschafft!!

Ich lasse mir meine Medaille umhängen und werde damit überstolz den restlichen Tag rumlaufen.

Das war er also – mein Rennsteiglauf 2015 auf der HM-Distanz mit einer Zielzeit von 02:05:46. Ich bin ziemlich stolz und freue mich hiermit offiziell auf das nächste Jahr, wenn ich die 2-Stunden Marke knacken werde :).

Rennsteiglauf 2015 Ziel

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