Wettkampfbericht: Himalayan Rush

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Triathlon in Nepal? Das klingt verrückt und ist es auch. Wie 3 unerschrockene Deutsche den Himalayan Rush rockten…

Einen Wettkampf im Ausland. Man entdeckt ihn, grübelt, ob man teilnehmen soll, entscheidet sich dafür und bereitet sich monatelang akribisch darauf vor. Nicht nur die detaillierte Trainingsplanung mit Zuspitzung auf den Wettkampf gehört dazu sondern auch eine umfangreiche Reiseplanung damit man sich am Tag X vollkommen auf das Wesentliche fokussieren kann.

Genau so war es… nicht!

Die Nepal-Reise wurde spontan geplant, vor allem um Robert zu besuchen, welcher ein Praktikum im Himalaya-Staat absolviert. Vom Himalayan Rush, der während der Besuchswoche stattfindet hörten wir eher zufällig – Aber Triathlon in Nepal, das lassen wir uns nicht entgehen.

Und so machten wir uns auf den Weg nach Kathmandu (Einen Reisebericht abseits des Triathlons findet ihr hier) und nahmen nach 2 Tagen den Überlandbus nach Pokhara. Eine Touristenhochburg in der Nähe des Triathlons.

Triathlon auf Nepalesisch: No Problem, we fix it

Am Vorabend des Wettkampfes gab es das Wettkampfbriefing und die Startunterlagen. Neben mir nahmen aus unserer Gruppe noch Steffke und Robert am Wettbewerb teil und 3 Fans hatten wir auch an Bord.

Später gab es Mountainbikes. Bei einer kleinen Runde stellte ich fest, dass die Rückbremse kaum zieht. Meine Reklamation wurde mit „No problem, we fix it“ erwidert. Prompt kam ein emsiger Nepalese mit einem Becher Wasser und kippte es über die Scheibenbremsen. „Großartig“ dachte ich mir, „Jetzt wird sie für 5 Minuten funktionieren“. Dann muss ich den Crosstriathlon halt sehr Vorderbremsenlastig durchziehen.

Am nächsten Tag sind wir halb 6 aufgestanden und wurden mit einem großartigen Sonnenaufgang auf den Wettkampf eingestimmt.
Sonnenaufgang in Nepal

Auf ging´s in den Shuttle-Bus ins 10 km entfernte Begnas an den Begnas-See, wo der Wettkampf stattfinden sollte. Wir wählten die Sprintdistanz aus 750m Schwimmen, 20km Mountainbike und 5km Laufen (Es gab auch noch die doppelte Dosis). Ich war zwar noch etwas erschöpft von den ganzen Reisestrapazen, den Bierchen am Vorabend und der nepalesischen Küche. Aber ich war megaheiß auf den Wettkampf und auch nervös.

Da ich in den letzten 4 Wochen auf Grund einer verletzten Ferse und einer Grippe nur reduziert trainieren konnte, 2 Jahre lang auf keinem Fahrrad mehr saß und nur 2 mal schwimmen war, nahm ich mir vor, das Rennen nicht am Anschlag zu bestreiten. So schön wie ein solcher Wettkampf auch ist, er war spontan und ich war nicht restlos austrainiert. Und bei über 30°C und etwas Höhe wollte ich zumindest Vernunft walten lassen. Heißt aber nicht, dass ich keinen Bock hatte das Ding zu rocken

Kollektiver Frühstart beim Himalayan Rush

Als ich mich warm lief, circa 25 Minuten vor dem Start, wurden alle an die Startlinie gerufen. Robert war gerade in einem Hotel ca. 800m entfernt um seine Notdurft zu verrichten. Wir dachten, dass die uns noch mal den Wendepunkt zeigen wollten, den Ausstieg und die Wechselzone. Aber Plötzlich fiel ein Startschuss, alle sprangen ins Wasser – nur Robert nicht. Über 20 Minuten zu früh. Der Nepalese ist halt etwas lockerer.

Start beim Himalayan Rush

Mit etwas Verspätung stürzte sich auch Robert ins Getümmel. Eigentlich wollten Robert und ich den Himalayan Rush gemeinsam bestreiten.

Start Himalayan Rush

Aber trotzdem: Triathlon in Nepal und wir sind dabei.

Kopf hoch, Annapurna

Die 750m durch den Begnas-See liefen ganz gut. Bei 22°C Wassertemperatur gabs nix zum jammern. Immer wieder hebte ich auch mal den Kopf und schaute auf das Annapurna-Massiv und genoss den traumhaften Blick.

Blick aufs Annapurna-Massiv beim Himalayan Rush

Ich kraulte, weil ich es nicht anders kann, im 2er Rhytmus und agierte dabei äußerst armlastig. Die Beine brauchte ich ja schließlich noch.

Anfangs schien das Wasser ziemlich sauber zu sein, was untypisch für Nepal ist (Und wir haben echt abartige Gewässer gesehen…). Doch nach dem Wendeboot wurde es sehr schaumig und trüb. Ich fand es echt widerlich und wollte nur noch raus. (Und hatte mir dadurch wohl die Magenprobleme für die nächsten 2 Tage eingehandelt)

Als ich endlich im Wechselgarten war bemerkte ich, dass Steffkes Rad schon weg ist, sie kam, wie ich später erfuhr, mit dem ersten Mann aus dem Wasser. Ich befand mich mitten im Feld, welches aus 30 Teilnehmern bestand.

Wechsel beim Himalayan Rush

Wechsel beim Himalayan Rush

Spätstarter Robert konnte schon beim Schwimmen die ersten Teilnehmer aus dem Feld wieder einholen. Auf dem Photo sieht man ihn in der von ihm perfektionierten und äußerst elegant vorgeführten sitzenden Wechseltechnik. Ich möchte anmerken, dass er auch an diesem Tag meine Sachen lieh.

Wechsel beim Himalayan Rush

In Nepal gibt´s auch einen ungeheuren Grund

Trotz der Tatsache, dass ich 2 Jahre nicht mehr auf einem Rad saß, ging es ganz gut. Die Strecke ging über 2 Runden und ich holte früh einen Briten ein, der kurz vor mir gewechselt hatte und mir vorschlug ein Peloton zu bilden. Nach nicht mal einem Kilometer ging es an einen richtig steilen Berg. Es wurden Erinnerungen an den ungeheuren Grund beim Crosstriathlon Friedrichroda wach.

Fast alle Athleten schoben hinauf. Auch der britische Teilnehmer und ich wurden kurzzeitig zum Absteigen gezwungen, da das Hinterrad auf dem staubigen Untergrund durchdrehte. Erst auf einem flacheren Teilstück konnten wir wieder auf den Sattel. Nix mit Lance-Armstrong-Wiegetritt, immer schön den gleichmäßigen Ulle machen und den Schwerpunkt auf dem Hinterrad lassen.

An dieser Steigung holte ich Steffke ein, welche sich wacker und freudig strahlend durchbiss.

Am Peak gab es Getränke und dann kam ein Totenkopfschild, welches auf eine Abfahrt hindeutete. Auch hier fiel mir die Parallele zu Friedrichroda auf. Anders als in Friedrichroda, meiner Heimat, habe ich diese Abfahrt nicht aggressiv und risikofreudig genommen. Mit hoher Vorsicht und im Bewusstsein der kaum funktionierenden Hinterbremse fuhr ich die Schotterpiste hinab. Den Briten verlor ich dabei außer Sichtweite.

Auch Robert muss die Abfahrt nehmen. Auf dem Bild sieht man, dass er über einen adaptiven Helm verfügte, welcher seine Neigung automatisch an die Kurvenradien anpasste und so einen besseren Schutz bot.

Abfahrt beim Himalayan Rush

Der Rest der Runde war flach, aber schüttelte einen teilweise kräftig durch. Für die Nepalis sind das die normalen Straßen.

Auch der Straßenverkehr bot enorme Herausforderungen. Sind es bei Wettkämpfen in Deutschland eigentlich nur vereinzelt vorkommende ältere Herrschaften, die bei ihrem Sonntagsspazierung nicht einsehen wollen, dass ihr Fußweg für einen Lauf gesperrt wurde, welche die Läufer behindern, so ist es hier in Nepal etwas anders gelagert.

Ein Großteil der einheimischen Bevölkerung dieses Entwicklungslandes hat genug andere Sorgen, als sich Gedanken um Sport zu machen oder gar Sport zu treiben. Man darf nicht erwarten, dass irgendein Verkehrsteilnehmer auch nur ansatzweise in der Lage ist, sich in europäische Sportler hineinzuversetzen.

Hinzu kommen die Verkehrsregeln, die es nicht gibt. Was bei uns umfangreich durch die StVO festgelegt ist, wird in Nepal auf die einfache Weisheit heruntergebrochen, dass man sich nimmt was man will und den anderen zum reagieren zwingt. So wurde ich zum Beispiel durch einen großen Traktor mit noch größerem Hänger zum scharfen Bremsen gezwungen, der einfach vor mir aus einer Einfahrt heraus auf die Straße bog.

Im übrigen gab´s auch noch Linksverkehr und Schulterblick kennt dort eh niemand. Da kann es nur heißen: ruhe bewahren, nicht aufregen und höchste Konzentration halten.

Radstrecke Himalayan Rush

Die zweite Radrunde des Himalayan Rush lief ähnlich, ich überholte einige Athleten. Den Brite hatte ich ja auf Grund der ersten Abfahrt aus den Augen verloren. Am Berg in der zweiten Runde holte ich ihn wieder ein, um ihn bei der Abfahrt wieder ziehen lassen zu müssen.

Leider hatte ich über die gesamte Strecke kaum andere Teilnehmer um mich herum, mit denen ich vom Tempo her gemeinsame Sache hätte machen können. Ich ging beim Radfahren nicht ans Limit und hebte mir die Körner auf.

Auch Steffke hatte Traktoren auf Ihrer Strecke, die einen guten Einblick in das nepalesische Landleben gab.

Fahrrad Himalayan Rush

Die Laufstrecke des Himalayan Rush war ein Genuß

Kurz vor dem Wechsel traf ich wieder auf unseren Fans Anne, Conny und Martin, welche mir deuteten dass die Platzierung ganz gut ist. Dafür hatte ich bisher kein Gefühl auf Grund der mangelnden Übersicht. Der Wechsel aufs Laufen ging schnell. Da es sich nicht um ein Fahrrad mit Klicksystem handelte, hatte ich die Laufschuhe schon an.

Ich war froh, endlich bei meiner Disziplin zu sein.

Auf einer Dopplung von Rad- und Laufstrecke kam mir Robert in einer kleinen Gruppe entgegen und ich war beeindruckt, wie weit vorne er ist, obwohl er doch den Start verpasste.

Ich kassierte jetzt erst mal den Briten, der seine Energie anscheinend in den vorherigen Disziplinen verbraten hatte und wesentlich langsamer als ich lief.

Ich musste noch mal nach dem Weg fragen…

Laufstrecke Himalayan Rush

Und auch hier war der Straßenverkehr eine Herausforderung, wie Robert spürte.
Laufstrecke Himalayan Rush

Auch die Laufstrecke des Himalayan Rush verfügte über einen steilen Anstieg. Auf der Spitze befand sich eine Verpflegungsstation mit Wendepunkt. Durch die entgegenkommenden Teilnehmer bemerkte ich, dass ich auf Rang 4 lag. Nach dem Wendepunkt kam mir auch schon Robert entgegen, zwischen uns lag nur noch der britische Athlet.

Ich hatte größeren Rückstand auf 3 und ausreichend Vorsprung auf 5, so dass ich mir ab und an den Blick auf das Bergpanorama gönnte. Bei den 30°C (man achte auf die Position der Schatten) brachte ich den Lauf zügig, aber nicht am Limit zu Ende.

Laufstrecke Himalayan Rush

Laufstrecke Himalayan Rush

Und dann kamen auch der Brite und kurze Zeit später Robert ins Ziel.

Laufstrecke Himalayan Rush

Gemeinsam puschten wir dann Steffke auf ihren letzten Metern.
Laufstrecke Himalayan Rush

Triathlon in Nepal, wir ham´s gepackt

Endlich war´s vorbei – glücklich waren wir als wir die schönen finisher Medaillien vorm Bergpanorama überreicht bekamen.
Himalayan Rush

Mit Platz 4 war ich ganz zufrieden. Für den StrongmanRun lässt sich darauf aufbauen.

Etwas traurig, war es schon, dass der Start zu früh stattgefunden hat. Robert und ich sind ja ein ähnliches Tempo gegangen. Gemeinsam wäre es vielleicht noch besser geworden, aber die Pokale hätten wir wohl eh nicht durch den Zoll gebracht…
Himalayan Rush

Fact-Box: Himalayan Rush 2014

Wettbewerb Triathlon Himalayan Rush
Datum: 29.03.2014
Distanz: 0,75/20/5 km
Zeit: 1:35:35
Platzierung: 4. von 30
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7 Gedanken zu „Wettkampfbericht: Himalayan Rush

  1. Ein klasse Bericht von euch. Ein Cross-Triathlon unter den Bedingungen ist mir ebenso gänzlich neu. Hat Spaß gemacht zu lesen.
    Ich stelle mir Roberts Blick am Ufer vor, als alle weg waren 🙂

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